Lektion 1.2
Das Grundmuster: Der 5-3-Zyklus
Motive & Corrective – das verbindliche Vokabular
Kurz gesagt: Der Markt macht Fortschritt in fünf Wellen und korrigiert ihn in drei.
Fünfer laufen mit dem Trend, Dreier dagegen — diese eine Unterscheidung ist das
wichtigste Werkzeug der ganzen Methode.
Zwei Phasen, acht Wellen
Märkte bewegen sich nicht in geraden Linien Richtung Ziel. Sie wechseln zwischen Fortschritt und Rückschritt — und beide Phasen haben eine feste Form. Ein vollständiger Zyklus besteht aus acht Wellen in zwei Phasen.
Merke dir die Zuordnung: Ziffern für Motive, Buchstaben für Corrective. Sie gilt in jedem Chart dieses Lernpfads. (In älterer Literatur begegnen dir für die Ziffernphasen auch „Kardinalwellen" oder „Impulswellen", für die Buchstabenphasen schlicht „Dreier" — gemeint ist dasselbe.)

Warum ausgerechnet fünf und drei?
Elliott selbst hat diese Frage nie beantwortet — er hat nur festgestellt, dass es so ist. Die Begründung wurde später nachgeliefert, und sie ist überraschend einfach: Fünf-und-drei ist das Minimum, mit dem eine Bewegung gleichzeitig schwanken und vorankommen kann.
- Eine Welle erlaubt keine Schwankung.
- Drei gleich große Wellen erzeugen Schwankung — aber keinen Netto-Fortschritt: hoch, runter, hoch endet dort, wo die einzelne Aufwärtswelle auch geendet hätte, nur mit Umweg.
- Erst fünf Wellen schaffen beides: Die Bewegung schwankt und macht trotzdem Boden gut, weil drei Schübe gegen zwei Rücksetzer stehen.
Mehr Wellen wären möglich — aber ineffizient. Die Struktur ist damit nicht willkürlich, sondern zwingend: Sie ist die sparsamste Form von Fortschritt unter Unsicherheit.

Die wichtigste Faustregel der ganzen Methode
1. „Motive" ist eine Funktion, keine Richtung. In einem Abwärtstrend zeigt die fünfwellige
2. Aktion und Reaktion: Aktionswellen laufen in dieselbe Richtung wie die Welle eine Ebene
Die Psychologie hinter den acht Wellen
| Welle | Stimmung | Was passiert |
|---|---|---|
| 1 | Skepsis | Der neue Trend beginnt aus einer |
| 2 | Rückfall in die Skepsis | Der Markt gibt einen großen Teil von |
| 3 | Die Wahrnehmung kippt | Der neue Trend wird erkannt. Die |
| 4 | Verdauen | Frühe Käufer nehmen Gewinne mit. |
| 5 | Euphorie | Der letzte Schub, getragen von der |
| A | „Nur ein Rücksetzer" | Der erste Bruch. Die Mehrheit deutet |
| B | Trügerische Erholung | Der Markt erholt sich — und lockt die |
| C | Die Wende setzt sich durch | Jetzt begreift es die Mehrheit. Der |

Eine Erwartung, die dich vor Frust bewahrt

Der Zyklus als Baustein
Ein abgeschlossener 5-3-Zyklus — acht Wellen — bildet auf der nächsthöheren Betrachtungsebene selbst wieder nur zwei Wellen. Die fünfwellige Phase ist dort Welle 1, 3 oder 5 eines größeren Zyklus; die dreiwellige Phase dessen Welle 2 oder 4. Das Grundmuster ist also zugleich das Bauprinzip des Marktes auf allen Ebenen.
Die Frage „Fünf oder Drei?" ist bis heute die erste, die ich jedem Chart stelle — vor jedem Indikator, vor jeder Meinung. Sie kostet dreißig Sekunden und hat mich vor mehr schlechten Trades bewahrt als alles andere.
Wissenscheck
1. Aus wie vielen Wellen besteht ein vollständiger Elliott-Zyklus?
2. Warum genügen drei Wellen in Trendrichtung nicht?
3. Welche Wellen sind Aktionswellen?
4. Eine Gegenbewegung verläuft klar fünfwellig. Was folgt daraus?
5. Wie viel Zeit verbringt der FX-Markt ungefähr in Konsolidierungen?
