Lektion 1.4

Wellengrade & Notation

Das Ordnungssystem der Zeitebenen

Kurz gesagt: Jede Welle ist Teil einer größeren und besteht aus kleineren — die

Wellengrade sind das Adresssystem dafür. Jede Ebene hat ihren eigenen

Zeichensatz. Ein Grad wird über die Form bestimmt, nicht über die Uhr.

Das Problem, das gelöst werden muss

Ein kompletter Zyklus bildet auf der nächsthöheren Ebene nur zwei Wellen. Damit entsteht zwingend eine Buchführungs-Frage: Wenn jede Welle Teil einer größeren ist und selbst aus kleineren besteht — wie bezeichnet man dann eine bestimmte Welle eindeutig? Die Antwort ist das System der Wellengrade (Degrees). Elliott benannte ursprünglich neun Grade; das heute standardisierte Schema umfasst fünfzehn benannte Grade mit fester Notation.

Die Notationsleiter

  • Motive-Wellen tragen abwechselnd drei Sätze römischer Zahlen, dann drei Sätze arabischer Ziffern.
  • Korrekturwellen wechseln parallel zwischen drei Sätzen Großbuchstaben und drei Sätzen Kleinbuchstaben.
  • Die Kopplung ist fest: römische Zahlen zu Kleinbuchstaben, arabische Ziffern zu Großbuchstaben.
  • Innerhalb jedes Dreierblocks unterscheidet die Auszeichnung die Ebene: eingekreist → runde Klammer → schmucklos.
  • Römische Zahlen stehen unterhalb des Minor-Grades klein (i, ii, iii), oberhalb des Primary-Grades groß (I, II, III).
#GradMotive (5er)Corrective (3er)
1Supermillennium[1] [2] [3] [4] [5][A] [B] [C]
2Millennium(1) (2) (3) (4) (5)(A) (B) (C)
3Submillennium1 2 3 4 5A B C
4Grand Supercycle[I] [II] [III] [IV] [V][a] [b] [c]
5Supercycle(I) (II) (III) (IV) (V)(a) (b) (c)
6CycleI II III IV Va b c
7Primary[1] [2] [3] [4] [5][A] [B] [C]
8Intermediate(1) (2) (3) (4) (5)(A) (B) (C)
9Minor1 2 3 4 5A B C
10Minute[i] [ii] [iii] [iv] [v][a] [b] [c]
#GradMotive (5er)Corrective (3er)
11Minuette(i) (ii) (iii) (iv) (v)(a) (b) (c)
12Subminuettei ii iii iv va b c
13Micro[1] [2] [3] [4] [5][A] [B] [C]
14Submicro(1) (2) (3) (4) (5)(A) (B) (C)
15Miniscule1 2 3 4 5A B C

Weil sich das Muster alle drei Grade wiederholt, tauchen dieselben Symbole auf weit auseinanderliegenden Ebenen wieder auf. In der Praxis entsteht daraus keine Verwechslungsgefahr — dein bearbeiteter Zeitrahmen macht immer eindeutig, welcher Bereich gemeint ist. Wichtig ist die Disziplin: Jede Ebene deiner Zählung bekommt ihren eigenen Zeichensatz.

Grade sind über die Form definiert — nicht über die Uhr

Ein Grad ist nicht über Kurs- oder Zeitlängen definiert, sondern über die Form — und Form ist eine Funktion von Preis und Zeit zugleich. Wellen desselben Grades können sehr unterschiedlich lange dauern; sie dürfen gestreckt oder gestaucht sein, die zugrunde liegende Gestalt bleibt konstant.

Wozu das Adresssystem praktisch dient

1. Eindeutigkeit. Die Grad-Nomenklatur funktioniert wie Längen- und Breitengrad — zum Beispiel

2. Proportions-Check. Eine „Welle 4", die größer ist als ihre ganze Welle 3, ist keine Welle 4 —

3. Mehrebenen-Abgleich. Analysen gewinnen an Qualität, wenn mehrere Grade in dieselbe

Vom Grad zum Handelsstil: die vier Wellenschemata

SchemaChartpaarHandelsstilTypische Haltedauer
Very Short TermTick + 10-MinutenScalping5 Minuten bis 1 Stunde
Short Term10-Minuten + StundeBewegungen imStunden bis 1 Tag
IntermediateStunde + TagSwing-TradingTage bis Wochen
Long TermTag + WocheBewegungen ab ca. 10 %3 bis 6 Monate und länger

Genau das ist die Fraktalität aus der nächsten Lektion, in ihrer handelspraktischen Konsequenz. (Ausblick: In Modul 6 wird aus diesen klassischen Schemata das moderne WaveMaster-Horizontsystem — Weekly/Daily bis H1/M15.)

Elliott Wave chart illustration
Elliott Wave chart illustration
„Zoom-Treppe": derselbe Markt dreimal (Weekly → Daily → H1), jeweils mit gradgerechter Notation, verbunden
„Zoom-Treppe": derselbe Markt dreimal (Weekly → Daily → H1), jeweils mit gradgerechter Notation, verbunden
Die Notationsleiter wirkt am ersten Tag wie Bürokratie. Am ersten Tag, an dem du eine dreifach verschachtelte Zählung von letzter Woche wieder aufnimmst, wirkt sie wie ein Geschenk. Adressen sind für den, der zurückkommt.
— Aus meiner Praxis · Tammo

Wissenscheck

1. Was bestimmt den Grad einer Welle?

2. Wie viele Grade hat Elliott ursprünglich benannt?

3. Welche Kopplung gilt im Notationsschema?

4. Welchem Grad entspricht die Notation „(3)"?

5. Wahr oder falsch: „Der exakte Grad einer laufenden Welle lässt sich immer eindeutig bestimmen."

Übe das auf echten Charts

WaveMaster macht aus jeder Lektion interaktive Übungen mit sofortigem Feedback — kostenlos starten.