Lektion 0.1
Chart lesen & Timeframes
Preis, Zeit, Währungspaare, Pips und die Auflösung des Bildes
Was ein Chart zeigt
Ein Chart ist ein Bild aus zwei Achsen. Unten läuft die Zeit, von links nach rechts. An der Seite steht der Preis. Jeder Punkt im Chart beantwortet eine Frage: Was hat es zu diesem Zeitpunkt gekostet?
Es gibt zwei Grunddarstellungen. Der Linienchart verbindet nur die Schlusskurse — eine ruhige Linie, gut für den Überblick. Der Kerzenchart (englisch: Candlestick Chart) zeigt pro Zeitabschnitt vier Preise auf einmal. Er ist der Standard im Trading — und der Standard in diesem Lernpfad. Wie man eine Kerze liest, ist die komplette nächste Lektion.
Währungspaare: Was da eigentlich steht
Im Devisenmarkt (englisch: Forex, kurz FX) wird immer ein Paar gehandelt. EURUSD heißt: der Preis von einem Euro, ausgedrückt in US-Dollar. Die erste Währung ist die Basiswährung, die zweite die Kurswährung.
Steht EURUSD bei 1,0850, kostet ein Euro also 1,0850 Dollar. Steigt der Chart, wird die Basiswährung stärker: Der Euro kostet mehr Dollar. Fällt der Chart, wird sie schwächer.
Die kleinste klassische Preiseinheit heißt Pip. Bei den meisten Paaren ist das die vierte Nachkommastelle: Von 1,0850 auf 1,0851 ist ein Pip. (Ausnahme: Paare mit japanischem Yen — dort ist es die zweite Nachkommastelle.) Viele Broker zeigen noch eine fünfte Stelle an; das sind Zehntel-Pips. In Pips wird im FX gemessen, wie weit sich etwas bewegt hat — so wie man Strecken in Kilometern misst.

Der Markt, der (fast) nie schläft
Der Devisenmarkt hat keine zentrale Börse mit Öffnungszeiten. Er läuft 24 Stunden am Tag, fünf Tage die Woche — vom Montagmorgen in Neuseeland bis zum Freitagabend in New York. Während dieser Zeit wandert die Aktivität um den Globus: Sydney und Tokio machen den Anfang, dann übernimmt London, dann New York.
- Die Überlappung von London und New York (am Nachmittag europäischer Zeit) ist meist die aktivste Phase — dort passiert am meisten.
- Weil der Markt durchläuft, gibt es unter der Woche praktisch keine Kurslücken — der nächste Preis knüpft direkt an den letzten an.

Timeframes: die Auflösung des Bildes
Ein Timeframe (deutsch: Zeitebene) legt fest, wie viel Zeit eine einzelne Kerze zusammenfasst. Auf H1 steht jede Kerze für eine Stunde. Auf D1 für einen ganzen Tag. Der Lernpfad arbeitet mit fünf Ebenen:
| Kürzel | Eine Kerze = | Typischer Blick |
|---|---|---|
| M15 | 15 Minuten | Feinarbeit im Tagesverlauf |
| H1 | 1 Stunde | der Tag im Detail |
| H4 | 4 Stunden | die Woche im Detail |
| D1 | 1 Tag | Wochen und Monate |
| W1 | 1 Woche | das große Bild |



Halte diesen Gedanken fest. Er wird in Modul 1 zu einer der erstaunlichsten Eigenschaften der Märkte überhaupt: Die Muster, die du auf dem Wochenchart siehst, tauchen auf dem Stundenchart wieder auf — kleiner, aber nach denselben Regeln gebaut.
Mein erster Fehler als Anfänger war nicht ein schlechter Trade — es war der Glaube, der M5-Chart sei „der Markt". Heute weiß ich: Der Markt ist das Gebäude. Timeframes sind nur die Stockwerke, auf denen man aus dem Fenster schaut.
Wissenscheck
1. GBPUSD fällt von 1,2700 auf 1,2650. Welche Währung wurde stärker — und wie viele Pips waren das?
2. Wie viele H4-Kerzen stecken in einer D1-Kerze?
3. Warum gibt es im FX unter der Woche praktisch keine Kurslücken?
4. Was änderst du, wenn du von D1 auf H1 wechselst?
