Lektion 2.3

Diagonalen

Ending und Leading Diagonal – wenn der Impuls seine Form ändert

Kurz gesagt: Die Diagonale ist eine Motivwelle, aber kein Impuls — ein Keil aus fünf

dreiwelligen Teilwellen, in dem die Overlap-Regel ausgesetzt ist. Am Trendende

heißt sie Ending Diagonal und ist die schärfste Umkehrformation der Wellenlehre.

Am Trendbeginn heißt sie Leading Diagonal und bedeutet das Gegenteil.

Einordnung: die eine Ausnahme aus Modul 1

In Modul 1.3 hast du gelernt: Welle 4 dringt niemals in das Kursterritorium von Welle 1 ein. Diese Lektion behandelt den einen strukturellen Fall, in dem genau diese Überschneidung zulässig und typisch ist.

Die Diagonale ist eine Motivwelle, aber kein Impuls — sie trägt zwei korrektive Eigenschaften. Gemeinsam mit dem Impuls: Keine Reaktionswelle nimmt die vorangegangene Aktionswelle vollständig zurück, und die dritte Teilwelle ist nie die kürzeste. Unterschied: Sie ist die einzige fünfwellige Struktur in Richtung des Haupttrends, in der Welle 4 fast immer in das Kursterritorium von Welle 1 eindringt — und in der alle Teilwellen Dreien sind. Gesamtzählung: 3-3-3-3-3.

Die Ending Diagonal — die Abschlussformation

Position. Die Ending Diagonal steht primär in der fünften Wellenposition. Ein sehr kleiner Anteil erscheint in der C-Wellen-Position; in Double und Triple Threes (Modul 4) tritt sie ausschließlich als abschließende C-Welle auf. Sie erscheint typischerweise dann, wenn die vorangegangene Bewegung „zu weit zu schnell" gelaufen ist. Ortungshinweis: Rund 80 % aller Diagonalen treten als fünfte Welle der dritten Welle eines höheren Grades auf.

  • Unterteilung 3-3-3-3-3. Findest du in einer vermeintlichen fünften Welle auf der Ebene darunter durchgehend Dreien, hast du sehr wahrscheinlich eine Ending Diagonal.
  • Überlappung. Welle 4 endet meist im Kursbereich von Welle 1 — hier kein Regelverstoß, sondern Erkennungsmerkmal.
  • Schrumpfende Wellen. In der kontrahierenden Form nehmen die Wellen an Umfang ab; Welle 3 darf trotzdem nicht die kürzeste Aktionswelle sein. Proportionen: Welle 3 ≈ 0,618 × Welle 1, die gesamte Diagonale tendiert zu 1,618 × ihre Welle 1.
  • Throw-over. Die fünfte Welle endet häufig in einem kurzen Bruch der Trendlinie durch die Endpunkte der Wellen 1 und 3. Charakteristisch: Während die Aktivität im Verlauf abnimmt, endet das Muster beim Throw-over mit einer Aktivitätsspitze. Erwarte nicht, dass die fünfte Welle exakt an der Ziel-Trendlinie endet.

Ein Zusammenhang, der dir den Throw-over ankündigt: Kommt es in der vierten Welle zu einem Trendlinienbruch (meist infolge eines Dreiecks), bricht die anschließende fünfte Welle in der Regel auch die gegenüberliegende Kanallinie — im gleichen Ausmaß wie der Bruch in Welle 4. Und ein Sonderfall: Übertrifft die Diagonale das Ende ihrer dritten Welle nicht (Truncation, Lektion 2.4), ist mit einer besonders schnellen und scharfen Umkehr zu rechnen.

Ending Diagonal: kontrahierender Keil in Welle-5-Position, Wellen 1–5 mit dreiwelliger Substruktur, Überlappungsbereich hervorgehoben, Throw-over markiert, anschließende scharfe Umkehr eingezeichnet.
Ending Diagonal: kontrahierender Keil in Welle-5-Position, Wellen 1–5 mit dreiwelliger Substruktur, Überlappungsbereich hervorgehoben, Throw-over markiert, anschließende scharfe Umkehr eingezeichnet.

Die Leading Diagonal — der Trendbeginn

Position. Die zweite Variante steht in der Welle-1-Position eines Impulses oder in der Welle-A-Position eines Zigzags. Sie sieht der Ending Diagonal äußerlich ähnlich — und bedeutet das Gegenteil: nicht das Ende, sondern den Beginn. Substruktur — der ehrliche Stand der Dinge. Die dokumentierten Fälle zeigen überwiegend die Unterteilung 3-3-3-3-3; in Einzelfällen ließ sich auch 5-3-5-3-5 beschriften — eine strenge Definition steht ausdrücklich noch aus. In der Zusammenschau: Bei einer Diagonale in fünfter oder C-Position sind die inneren Wellen Dreien; in einer A-Wellen-Position können die Aktionswellen Fünfen sein. Das belastbarere Kriterium ist deshalb die Position im übergeordneten Count, nicht die Substruktur.

Warum diese Unterscheidung teuer sein kann. Wer eine Leading Diagonal für eine Ending Diagonal hält, positioniert sich gegen einen gerade beginnenden Trend — im Zweifel gegen eine dritte Welle. Dazu die zweite Verwechslungsgefahr aus Lektion 2.2: eine Leading Diagonal mit der weit häufigeren Abfolge erster und zweiter Wellen einer beginnenden Verlängerung zu verwechseln. Beide zeigen überlappende Wellen ohne klaren Impulscharakter.

Vergleichstabelle als Grafik: Ending vs. Leading Diagonal vs. Serie erster/zweiter Wellen — Position, Substruktur, Bedeutung, typische Folgebewegung, Invalidierung.
Vergleichstabelle als Grafik: Ending vs. Leading Diagonal vs. Serie erster/zweiter Wellen — Position, Substruktur, Bedeutung, typische Folgebewegung, Invalidierung.

Die expandierende Diagonale — Kenntnisstand und Umgang

Behandle diesen Fall als das, was er ist: eine Randerscheinung. Dokumentiert ist ein Fall, in dem die Begrenzungslinien einer Ending Diagonal auseinanderliefen — analytisch unbefriedigend, weil dort die dritte Welle die kürzeste Aktionswelle war. Für die Leading Diagonal ist zusätzlich eine expandierende Form beschrieben, vorwiegend am Beginn von Abwärtsbewegungen. Ein hartes Abgrenzungskriterium gibt es: Die fünfte Teilwelle muss das Extrem der dritten Teilwelle überschreiten.

Praxisnotiz für FX

Diagonalen treten in gehebelten Märkten häufig auf den kleineren Zeitebenen auf — insbesondere in der Endphase von Intraday-Trends und in C-Wellen von Korrekturen. Sie sind dort oft der Grund, warum ein Trend „nicht mehr richtig läuft", obwohl die Kurse noch neue Extreme machen. Wer die Form kennt, liest darin einen Ausstieg statt einer Nachkaufgelegenheit.

Realer FX-Chart: Ending Diagonal in Welle-5- oder C-Position, idealerweise mit Throw-over inklusive Tick-Volumen-Spitze und der darauffolgenden Umkehr.
Realer FX-Chart: Ending Diagonal in Welle-5- oder C-Position, idealerweise mit Throw-over inklusive Tick-Volumen-Spitze und der darauffolgenden Umkehr.
Keile sind für mich immer ein Innehalten. Nicht weil sie schwer zu sehen sind, sondern weil dieselbe Form am Anfang und am Ende einer Bewegung stehen kann — und die Antwort steht nie im Keil selbst, sondern im Chart drumherum.
— Aus meiner Praxis · Tammo

Wissenscheck

1. Wie unterteilt sich eine Ending Diagonal?

2. Wie lang ist Welle 3 innerhalb einer Diagonale typischerweise?

3. Wo treten rund 80 % aller Diagonalen auf?

4. Welches Ziel gilt nach einer abgeschlossenen Ending Diagonal als Mindesterwartung?

5. Welche Korrektur folgt typischerweise auf eine Leading Diagonal in Welle-1-Position?

6. Ein kontrahierender Keil steht direkt nach einem markanten Tief. Was ist er wahrscheinlich?

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